Karlsruhe, 09.11.2008


SETLISTE

Square Peg In A Round Hole (Dave solo)
All Too Human (Dave solo)
RL (Dave solo)

House Of Clocks
Flying Sorcery
Palace Of Versailles
Angry Bird
Soho (Needless To Say)
Mr. Lear
Feel Like
Carol

PAUSE

Lucky (Dave solo)
Thing Of Beauty (Dave solo)
The Loyalist (Dave solo)

Antarctica
On The Border
Night Train To Munich
Merlin`s Time
News From Spain
Clifton In The Rain/A Small Fruit Song
Year Of The Cat

ZUGABE

Warren Harding
(A Child`s View Of) The Eisenhower Years

End Of The Day (Dave solo)




























Und nach der Show:









KONZERTBERICHT

Mit etwas Wehmut trat ich die Fahrt am Sonntag Abend nach Karlsruhe an, denn dies würde das letzte Konzert von Al und Dave sein, das ich im Rahmen ihrer diesjährigen Deutschlandtournee besuche. Vorgewarnt vom Stau einen Tag vorher bei der Fahrt nach Heilbronn fuhr ich diesmal zeitiger los und schaffte es auch, etwa eine Stunde vor Konzertbeginn im Jubez anzukommen. Martin und Sabrina, die ebenfalls einige der Konzerte besucht hatten, waren bereits dort. Da wir früh dran waren hatten wir das Glück, Plätze in der ersten Reihe zu ergattern. Für Dave Nachmanoff hatte sich Martin etwas Besonderes einfallen lassen: Er überreichte ihm ein T-Shirt mit dem Logo der deutschen Webseite ALSTEWART.DE. Dave freute sich sichtlich darüber und plante, den zweiten Teil des Konzerts in diesem T-Shirt zu bestreiten, äußerte allerdings Zweifel, ob Al dies genehmigen würde.

Pünktlich um 20 Uhr ging es los. Wie gewohnt startete Dave mit drei Solonummern: Dem üblichen Opener "Square Peg Blues", danach zwei Publikumswünsche, nämlich "All Too Human" und "RL", ein Song übers Chatten. Alle drei Songs trug er in ausgezeichneten Darbietungen vor. Auch ein Zuruf, wer er überhaupt sei, brachte ihn nicht aus dem Konzept und er stellte sich den wenigen, die ihn noch nicht kannten, als Gitarrist von Al Stewart vor. Schließlich kam nach dem dritten Song Al mit auf die Bühne. Es ging los mit "House Of Clocks" und "Flying Sorcery", den beiden Stücken, mit denen wohl jedes der diesjährigen Konzerte eröffnet wurde. Als nächstes folgte schon ein etwas seltener gespielter Song, nämlich "Palace Of Versailles" aus dem Album "Time Passages". Al merkte an, persönlich sehe er die Französische Revolution sehr kritisch, weshalb er dieses Stück geschrieben habe. Wie bereits am Tag zuvor konnte Dave mit seinen hervorragenden Gitarrenkünsten eine interessante Alternative zur Albumversion bieten. Aus Als aktuellem Werk "Sparks Of Ancient Light" folgte anschließend "Angry Bird". Laut Al handelt der Song von einem Zahnarzt, der Revolutionär sein möchte. Er habe ihn als Vogel dargestellt, dem radikale Pinguine eingeredet hätten, nicht mehr zu fliegen, weil Fliegen zu "burgeois" sei und sie es selbst auch nicht täten. Dummerweise hörte der Vogel auf sie, liefe deshalb immer im Kreis herum und werde dabei wütend. Anschließend folgte mit "Soho (Needless To Say)" ein älteres Stück aus dem Album "Past, Present And Future", worin Al seine Jahre in Londons gleichnamigem Viertel beschreibt. Al betonte, sie hätten nun fünf Songs aus fünf verschiedenen Alben vorgetragen, und da er insgesamt 18 Alben veröffentlicht habe, könnten sie ja problemlos so weitermachen, was sie mit dem nächsten Titel auch taten. Zu unserer großen Überraschung spielten sie ein sehr selten vorgetragenes Stück, nämlich "Mr Lear", das vom englischen Dichter Edward Lear handelt, der vor allem durch seine Limericks bekannt wurde. Anschließend gab es wieder eine Überraschung zu hören mit "Feel Like" aus dem Album "Famous Last Words". Der Song eignet sich meines Erachtens gut für Live-Auftritte, war von Al und Dave natürlich exzellent vorgetragen und die Reaktion des Publikums war ntsprechend. Kaum für möglich zu halten, aber zum Schluss des ersten Konzertteils folgte nochmals eine Steigerung mit "Carol", einer für Als Verhältnisse überaus rockigen Nummer.

In der Pause konnte ich mich mit mehreren Leuten unterhalten, die ausnahmslos über den bisherigen Konzertverlauf begeistert waren. Dave sagte uns, er habe sich nun entschieden, sein neues T-Shirt anzuziehen, egal was Al dazu sage. Gesagt, getan und zudem noch mit Werbung für unsere Webseite begann Dave den zweiten Teil, wiederum mit drei Solonummern: "Lucky", "Thing Of Beauty" (ein Wunsch meinerseits, Dave hatte mich freundlicherweise vorher gefragt) und "The Loyalist". Letzteres Stück wurde von Al mitkomponiert. Als dieser dann wieder auf die Bühne kam ging es weiter mit dem neunten Song aus dem neunten Album: "Antarctica" aus "Last Days Of The Century". Al sagte, dass er nun auch etwas spielen müsse, was die Leute gut kennen, und tat dies dann mit dem obligatorischen "On The Border". Bei diesem und beim nächsten Stück, "Night Train To Munich", kamen Daves Gitarrenkünste wieder voll zur Geltung und er erhielt mehfach Zwischenapplaus für seine Fingerfertigkeit. Wie fast zu vermuten folgten nun vier weitere Stücke aus vier verschiedenen Alben, von denen an diesem Abend noch kein Song zu hören gewesen war: Zunächst "Merlin's Time" aus "24 Carrots", ein wunderschönes melodisches Stück über den schottischen Dichter Merlin. Anschließend wieder eine Riesenüberraschung mit "News From Spain" aus dem Album "Orange". Im Original spielt hier Rick Wakeman Piano und Orgel, deshalb musste Dave den Song großenteils für Gitarre umkomponieren. Dies gelang ihm wirklich ausgezeichnet und so konnten die beiden das Publikum, von dem die wenigsten diese Nummer gekannt haben dürften, noch mehr begeistern als zuvor. Es folgten die beiden "ältesten" Stücke des Abends mit "Clifton In The Rain" und "A Small Fruit Song", beide wie gewohnt als Medley ohne Übergang vorgetragen. Als Al dann die ersten Akkorde seines Klassikers "Year Of The Cat" anstimmte, war das Publikum erneut hellauf begeistert und es wurde kräftig mitgesungen und mitgeklatscht. Selbstverständlich wurden die beiden Musiker anschließend mit riesigem Applaus zur Zugabe gerufen.

Diese hatte es wieder in sich: "Warren Harding", ein Stück über den gleichnamigen amerikanischen Präsidenten, trugen die beiden um Längen besser und auch rockiger als das Original vor. Danach ließ sich Al über diverse amerikanische Präsidenten aus: Er habe festgestellt, dass auf jeden guten Präsidenten ein schlechter folge und umgekehrt, also immer genau im Wechsel. Und speziell Warren Harding sei so schlecht gewesen, dass selbst George W. Bush gegen ihn wie ein Genie wirke. Er spiele jetzt eine kleine Präsidentensuite, und tat dies auch mit "Eisenhower Years" aus seinem neuesten Album. Danach gingen die beiden von der Bühne und wie schon am Tag zuvor kam Dave allein zurück und entschuldigte Al. Er spielte zum Abschluss des Konzerts "End Of The Day" mit so großer Leidenschaft, dass man Al fast gar nicht vermisste. Ein tosender Applaus war der verdiente Lohn.

Bei noch langen Diskussionen mit anderen Fans, Dave und Al ging dieser letzte Konzertabend für uns dann mit dem Gefühl zu Ende, wieder einmal etwas ganz Herausragendes erlebt zu haben.

Dieter Weber