Euskirchen, 29.10.2008

 
SETLISTE

Square Peg In A Round Hole (Dave solo)
Say Goodbye To The Elephants (Dave solo)
Without A Compass Or A Map (Dave solo)

House Of Clocks
Flying Sorcery
Angry Bird
Eisenhower Years
On The Border
Night Train To Munich
Ear Of The Night
Like William McKinley

PAUSE

Midnight Sea (Dave solo)
Thing Of Beauty (Dave solo)
Grateful (Dave solo)

Carol
Time Passages
Midas Shadow
News From Spain
Joe The Georgian
Katherine Of Oregon
Year Of The Cat

ZUGABE

End Of The Day

























KONZERTBERICHT


Neue Bekannte sind sie, die Songs von Al Stewart: Seit Jahrzehnten wohlvertraut, doch immer wieder in neuem Gewand. Mit dem genialen Dave Nachmanoff an der Gitarre, überraschte der schottische Folk-Rock-Troubadour bei seinem Zwei-Mann-Konzert in Euskirchen mit neuen Unplugged-Arrangements seiner Klassiker - und auch mit Songs, die er bisher selten oder noch nie live gespielt hat.

Dave Nachmanoff, selbst ein Songwriter, eröffnet mit drei eigenen Songs, darunter einen autobiographischen über die Zirkuskarriere seines Bruders. Den kommtiert Al, nachdem er völlig unauffällig im Hintergrund auf die Bühne geschlendert ist: "Gefällt mir! Aber du hättest Hannibal drin unterbringen sollen." Schließlich hat der karthagische Feldherr einst mit Elefanten im Schlepptau die Alpen überquert - und dabei auch ein paar verloren: "Say goodbye to the elephants", und so heißt auch Daves Song.

Im ersten Teil des Programm steht das neue Album "Sparks of ancient light" im Vordergrund. Wir hören "The Eisenhower Years", den Al im Laufe der Tour auch mehrere Male im Hörfunk zum Besten gibt. "Angry Bird" ist auch dabei - und wer dieses skurille Kleinod bislang nur in der Studioversion kannte, wird sich über die einleitenden Worte freuen: Um einen Fahrradmonteur geht es, der sich einer radikalen politischen Splittergruppe anschließt. (Der titelgebende Vogel ist also nur eine Metapher.) In diesem Zusammenhang erkundigt sich Al nach dem deutschen Wort für "oxymoron". Hilfsbereit übersetzt ein Herr aus dem Publikum: "Oxymoron". "Na, das war ja einfach", bemerkt Al erfreut.

Vor der Pause gibt's noch "Like William McKinley" - aus aktuellem Anlass, denn dieser Tage ging ja mit den Präsidentschaftswahlen in Amerika auch der 150jährige Wahlkampf zuende, der ihnen vorausgegangen ist. ("Fühlte sich zumindest an, als hätte das 150 Jahre gedauert", meint Dave.) McKinley war zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Präsident. "Der bestritt seinen Wahlkampf", erzählt Al, "indem er sich auf seine Veranda setzte und sagte: Wer was von mir will, kann gerne zu mir kommen!" Al berichtet von seiner Idee, mal ein ganzes Album zu machen mit lauter Vignetten über US-Präsidenten. Doch die bekannten Vertreter dieser Zunft wurden schon genug besungen; und eine CD mit lauter Unbekannten wäre wohl kaum ein Verkaufsschlager.

Über Kunst & Kommerz frotzelt Al auch in der zweiten Hälfte nochmal. "Time Passages" steht auf dem Programm - selten gespielt und nur auf besonderen Wunsch. "Ich mag dieses Lied nicht besonders", bekannt Al. Hinterher überlegt er, woran das liegen könnte: "Dieser Song ist genau in der Mitte angesiedelt: die Mitte zwischen völlig obskur und einfältig poppig. Diese beiden Extreme mag ich, nur die Mitte ist langweilig." Für letztere Kategorie (banales Pop-Gestampfe) improvisiert Al prompt ein paar Beispiele - zur großen Freude des Publikums. Al edauert: "Leider hab ich nicht die Stimme für sowas..."

Ein Beispiel für die andere Kategorie (Songs mit völlig obskuren Themen) folgt: "Joe The Georgian", eingeleitet von Dave, der dabei einen russischen Tanz einlegt und die Gitarre mal kurz hinter dem Rücken spielt. Al bemerkt,
er würde gerne in einer Welt leben, in der "Joe The Georgian" die Hitparaden stürmt. "Hat doch alles, was ein richtiger Hit braucht: Joseph Stalin kommt drin vor und tote Bolschewiken, die ihn in der Hölle bis in alle Ewigkeit foltern. Müsste eigentlich jedem gefallen!"

Immer wieder fordern die beiden Musiker sich gegenseitig heraus. Spontan spielt Al, wonach ihm gerade der Sinn steht - an diesem Abend zum Beispiel "ein Lied übers Älterwerden". Er legt los und Dave muss erstmal ein paar Takte zuhören, bevor er einstimmt (zu "Katherine Of Oregon"). Die Verständigung funktioniert hier rein musikalisch, ohne Worte. Unvergesslich auch die atemberaubenden Soli, zum Beispiel bei "Carol" und "Midas Shadow" - kaum zu glauben, dass da wirklich nur zwei Gitarren zu hören waren.

Nach der exzellenten Zugabe "End Of The Day" klingt der Abend langsam aus: Im Foyer des Stadttheaters stehen Al und Dave ausführlich für Autogramme, Fotos und Plaudereien zur Verfügung. Wie Veranstalter Harry Braun ganz richtig bemerkt: "So macht ein Konzert wirklich Spaß!"

René Klammer