Die 70er Jahre

Songs on the Radio


1970
    
Die Trennung von der langjährigen Freundin Mandi stürzt Al in eine Krise, er schreibt vorübergehend keine neuen Songs. So besteht das Album ZERO SHE FLIES hauptsächlich aus übrig gebliebenen Kompositionen der ersten zwei Alben. Erstaunlicherweise treten bei dieser „Resteverwertung“ solche Klassiker wie der „Small Fruit Song“ zutage!
„Zero She Flies“ ist – trotz seiner unglücklichen Entstehungsgeschichte – das erste Al Stewart-Album, das sich in den Charts plazieren kann: In England erreicht es Platz 40. Das ändert nichts daran, das Al mit dieser Hervorbringung bis heute unzufrieden ist.
Im Juni erscheint außerdem THE FIRST ALBUM. Es handelt sich hier um eine überarbeitete Wiederveröffentlichung von „Bedsitter Images“: Einige Songs flogen raus, dafür kamen neue dazu.
1970 ist Al auch erstmals auf einer Kinoleinwand zu sehen: Der holländische Film „Stamping Ground“ zeigt ihn bei einer „Zero She Flies“-Performance.

1971
    
In diesem Jahr gibt’s kein neues Album, aber einen neuen Song: „Elvaston Place“ landet im Dezember auf der B-Seite von „News from Spain“.  

1972 
   
Im Februar erscheint ORANGE. Für Al ist es der Wendepunkt: Er spielt jetzt mit einer Band. Auch thematisch zeichnet sich eine revolutionäre Neuerung ab: „Ich werde keine Liebeslieder mehr schreiben.“
Die letzten Liebeslieder, versammelt auf „Orange“, ergeben fast ein Konzeptalbum: Sortiert man die Tracks um, ergibt sich eine geschlossene Geschichte, die mit „News From Spain“ ihr natürliches Ende findet – und damit geht auch Al’s Lehrzeit als Musiker zu Ende.

1973 
   
Im Oktober erscheint in England PAST, PRESENT AND FUTURE. Die Platte kommt hier nicht in die Charts, bringt aber trotzdem einen wichtigen Durchbruch: Mit historischen Songs wie „Last Day of June 1934“, „Nostradamus“ und vor allem „Roads to Moscow“ findet Al endgültig einen unverwechselbaren Stil, sein Markenzeichen. Anders als die meisten Folk-Musiker, die mit ihm in den letzten Jahren durch die Universitäten getingelt sind, hat Al den Absprung geschafft: Er wird jetzt als Song-Schreiber anerkannt, hat seinen künstlerischen Horizont konsequent erweitert und wird – langsam, aber sicher – von einer breiten Masse entdeckt. Dazu Gitarrist Tim Renwick: „Al hatte sich als Folksänger einen sehr guten Namen gemacht, aber er wollte ein größeres Publikum erreichen.“

1974 
   
Im Frühjahr tourt Al mit der Band „Home“. Im Juni erscheint „Past, Present & Future“ in den USA und erreicht dort in den Charts Platz 133.

1975  
 
Al‘s Zusammenarbeit mit Alan Parsons hat begonnen: Im April erscheint MODERN TIMES, ein entspanntes Folkrock-Album mit Country-Einschlag. Bei den Sessions sind Musiker wie Peter White und Peter Wood dabei, die noch eine große Rolle im Werk von Al Stewart spielen werden.
„Modern Times“ ist sein bis dahin erfolgreichstes Album. Rückblickend läßt sich sagen, daß Al hier einen ersten Höhepunkt seiner Kreativität erreichte. Kritiker behaupten gelegentlich, daß er danach leider in kommerziellere Gefilde abdriftete. Aber wie auch immer man dazu steht: „Modern Times“ ist und bleibt ein Klassiker.
Parallel zum Erscheinen von „Modern Times“ unternimmt Al erstmals eine größere Tour durch die Vereinigten Staaten.


1976  
 
Eine kurze Durststrecke: Al’s Vertrag mit CBS wird nicht verlängert, und die neue Platte, YEAR OF THE CAT (wiederum von Alan Parsons produziert), wird von mehreren großen Labels abgelehnt. „Ich traf Richard Brenson [der damalige Chef von Virgin] und bot ihm YotC für 5000 Pfund an. Er hat abgelehnt. Später verkaufte sich das Album zwei Millionen mal! Es ist faszinierend: Jeder in der Branche, der was taugt, ist von mindestens sechs verschiedenen Labels abgelehnt worden.“
„Year of the Cat“ erscheint schließlich bei RCA – und wird ein Welterfolg. Al siedelt um in die USA.

1977

Im Februar erreicht die Single „Year of the Cat“ Platz 37 in den britischen Charts und Platz 5 in den amerikanischen. Als zweite Album-Auskopplung folgt „On the Border“ – diese Single bringt es in den USA auf Platz 42.
Al ist das ganze Jahr unterwegs, um in allen Winkeln der Erde Konzerte zu geben. „Ich war zu beschäftigt, um meine Popularität mitzubekommen. Ich war auf Tour, und die Platte kam in die Charts und war wieder draußen, bevor die Tour zu Ende war. Es gab also ein paar Wochen in meinem Leben, in denen ich ein richtiger Star war – aber ich hab nicht viel davon mitbekommen.“

1978
    
Im April erscheint THE EARLY YEARS, eine Art „Best Of“ der ersten drei Alben. Al unterschreibt einen Vertrag mit Arista, dort erscheint im September TIME PASSAGES, die dritte (und vorerst letzte) Zusammenarbeit mit Alan Parsons. Das Album kann an den Erfolg von „Year of the Cat“ anknüpfen, enthält solche Klassiker wie „Almost Lucy“ und „Timeless Skies“, kann aber die Kritiker nicht in gleichem Maße befriedigen. Auch Al beklagt sich später: „Die Arista-Chefs gaben mir jede Menge Instruktionen. Die Songs mußten 120 Beats in der Minute haben, mußten so-und-so lang sein, der Refrain mußte sechzehnmal wiederholt werden und es mußte ein Saxophon-Solo geben. Es war ihnen völlig egal, worum es in den Songs ging, solange sie 120 Beats in der Minute hatten!“
Der Titelsong des Albums erreicht in den US-Charts Platz 7.

1979

Im März erscheint eine weitere Single-Auskopplung von TP: „Song on the Radio. Angeblich ist dieser Song aufgrund einer Wette entstanden: Al behauptete, er könne jederzeit einen Top 40-Hit schreiben. Zum Beweis schrieb er „Song on the Radio“ – und kam damit auf Platz 29.
Heute haßt Al diesen Song und spielt ihn niemals live. Er sieht es aber gelassen, daß sein Ruhm sich auf Songs beschränkt, die er nicht unbedingt zu seinen Besten zählt: „Ich glaube, jeder Musiker ist nur für bestimmte Songs bekannt. Die Leute kennen zwangsläufig nicht alles, was du gemacht hast – das sollte man auch nicht erwarten.“
Einen Teil seines Einkommens dieser Jahre nutzt Al (der schon seit vielen Jahren ein begeisterter Weinkenner ist), um sich den Traum vom eigenen Weinkeller zu erfüllen.